Während vor dem Landtag Brandenburg noch die letzten Demonstrationsrufe zum Entwurf des Kitafinanzierungsneuordnungsgesetzes nachhallten, startete nebenan im *innenRaum in Potsdam eine Talkrunde mit dem Titel „Praxis trifft Politik“. Eingeladen hatten der KiTa-Elternbeirat Potsdam und der Frauenpolitische Rat Land Brandenburg e.V. (FPR). Ihr Fazit: Der Entwurf trifft Familien, Beschäftigte und die Erwerbstätigkeit von Frauen gleichzeitig.
Mittagessen und Erwerbstätigkeit von Frauen
Wenn das Gesetz so kommt, werden sich nach Darstellung der Veranstalter nicht mehr alle Eltern das Mittagessen der Kinder leisten können. Die Qualität drohe zu sinken, auf Kosten der kindlichen Entwicklung. Einrichtungen mit einkommensstärkeren Eltern würden sich den Qualitätserhalt etwas kosten lassen, eine Möglichkeit, die andere nicht hätten. Diese Spaltung widerspreche der Kita als demokratischem Ort.
Nach Schilderung Betroffener würden sich durch die neue Mittagessenregelung und höhere Krippenkosten mehr Frauen gegen eine Fremdbetreuung ihrer Kinder unter drei Jahren entscheiden. In Brandenburg sind 51% der Mütter mit Kindern unter drei erwerbstätig; das Land liegt damit über dem Bundesdurchschnitt. Eine Reduzierung hätte auch unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung Brandenburgs.
Belastung des Kita-Personals
Das Personal sei am Limit. Fachkräfte meldeten sich aus Angst vor Mehrbelastung seltener krank. Durch sinkende Kinderzahlen werde die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit teils drastisch reduziert, und manche brauchten einen zweiten oder dritten Job. Eine Trägervertreterin berichtete: „Wir hören dann von den Fachkräften, dass sie noch einen zweiten oder dritten Job annehmen müssen, um sich ihr Leben mit ihrer Familie zu finanzieren.“ Sie erinnerte daran, dass in einer vergleichbaren Situation schon einmal viele gegangen seien.
Aus dem Publikum hieß es: „Wenn nur noch in 28 % der Haushalte in Brandenburg Kinder leben, ist Brandenburg ganz schön verarmt.“ Weiter hieß es: „Wir müssen daran arbeiten, dass sich wieder mehr Menschen entscheiden, Kinder zu bekommen. Dafür braucht es eine vernünftige Frauen- und Familienpolitik.“
Forderung und Ausblick
Mit Falk Peschel (BSW) stellte sich ein Vertreter der Landespolitik der Diskussion. Der Abend machte nach Angaben der Veranstalter sichtbar, wie unmittelbar die Kita-Finanzierung in Arbeits-, Gesundheits-, Sozial- und Gleichstellungspolitik hineinwirkt.
Die Forderung der Organisatoren: Die Politik muss die Praxis hören und handeln, bevor das Gesetz beschlossen wird. KiTa-Elternbeirat und FPR wollen ihre Zusammenarbeit verstärken. „Kita-Politik ist Gleichstellungspolitik“, so beide Organisationen. „Jetzt heißt es: Ärmel hochkrempeln und das Feld erweitern.“
Der KiTa-Elternbeirat Potsdam versteht sich als Ansprechpartner und Sprachrohr von Kita- und Hort-Eltern in der brandenburgischen Landeshauptstadt. Der FPR ist ein partei- und konfessionsübergreifender Dachverband und Interessenvertretung von aktuell 23 frauenpolitischen Organisationen aus ganz Brandenburg.







