Das Oberlinhaus in Potsdam beschreibt eine Lücke zwischen erkanntem Bedarf und verfügbarer Versorgung bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus und ADHS. In der Reihe „Sozialwirtschaft eingeordnet“ schreibt Thomas Neubauer, eine Diagnose sollte der Anfang von Hilfe sein und nicht der Beginn einer jahrelangen Warteschleife. Der Beitrag wurde ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht.
Anfang September fand im Gesundheitsausschuss des Brandenburger Landtags ein Fachgespräch statt, an dem auch Juliane Höpfner vom Oberlinhaus teilnahm. Dort wurde geschildert, dass 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit ADHS keine Therapie erhalten. Bei einer Autismus-Diagnose warten Familien zum Teil vier Jahre auf einen Therapieplatz.
Mehr ADHS-Neudiagnosen in Brandenburg
ADHS tritt laut Beitrag bei autistischen Kindern überproportional häufig zusätzlich auf. 2024 wurden in Brandenburg 18 Prozent mehr ADHS-Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen gestellt als im Vorjahr. Im Autismuszentrum des Oberlinhauses melden sich täglich ein bis zwei Familien, die Unterstützung suchen.
Das Oberlinhaus begleitet Kinder und Familien nach eigenen Angaben vom Autismuszentrum über Frühförder- und Familienberatungsstellen bis zur Schulassistenz. Kitas, Schulen und Familien litten unter fehlender Unterstützung.
Forderungen
Neubauer kritisiert, dass noch zu oft erwartet werde, dass sich neurodivergente Kinder an Systeme anpassen, statt die Systeme auf unterschiedliche Bedürfnisse auszurichten. Fehle Wissen über Autismus, würden Verhaltensweisen schnell als Erziehungsproblem oder mangelnde Anstrengung gedeutet.
Familien bräuchten direkt nach einer Diagnose Orientierung und Beratung, nicht erst nach langwierigen Antragsverfahren. Autismuszentren, Frühförderstellen und therapeutische Angebote benötigten ausreichende Kapazitäten, Kitas und Schulen mehr Fachkompetenz zu Autismus und ADHS. Aus dem Austausch zwischen Politik und Praxis sollten konkrete Verbesserungen entstehen.
Thomas Neubauer ist Kaufmännischer Vorstand des Oberlinhauses und Geschäftsführer mehrerer Einrichtungen im Oberlinhaus.
Quelle: Oberlinhaus







