Potsdam: Sozialausgaben 2025 deutlich gestiegen – Stadt vor finanziellen Herausforderungen

Prächtige Fassade eines Regierungsgebäudes mit Deutschland- und Brandenburg-Flaggen
Regierungsgebäude in Potsdam (Symbolbild) · Foto: geradepassiert-potsdam.de

Die Sozialausgaben der Landeshauptstadt Potsdam sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Entwicklung und ihre Ursachen wurden am 6. Oktober 2026 im Ausschuss für Gesundheit, Soziales, Wohnen und Inklusion vorgestellt.

Netto- und Bruttoausgaben im Vergleich

Die Nettoausgaben der Landeshauptstadt (Ausgaben abzüglich der Zuschüsse durch Bund und Land, die bei der Kommune bleiben) entwickelten sich zwischen 2010 und 2024 insgesamt vergleichsweise stabil. 2025 ist dagegen ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen: Die Nettoausgaben lagen bei rund 63,8 Millionen Euro und damit rund 42 Prozent über dem Vorjahreswert.

Bei den Bruttosozialausgaben (alle Ausgaben inklusive der Refinanzierungen durch Land und Bund) zeigt sich über einen längeren Zeitraum eine deutliche Steigerung. Sie erhöhten sich von 71,5 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 183,3 Millionen Euro im Jahr 2025 – ein Anstieg um 156 Prozent. Besonders stark entwickelten sich die Ausgaben in den Leistungen des SGB VIII, im Bereich des Asylbewerberleistungsgesetzes sowie im SGB IX und SGB XII.

Anstieg in mehreren Leistungsbereichen

Der Anstieg der Nettoausgaben im Jahr 2025 verteilt sich auf mehrere Leistungsbereiche. Besonders ins Gewicht fallen die Ausgaben nach dem SGB VIII mit einem Anstieg um 4,6 Millionen Euro, die Eingliederungshilfe nach dem SGB IX mit einem Plus von 4,4 Millionen Euro sowie die Leistungen nach dem SGB XII mit einem Anstieg um 4,3 Millionen Euro. Auch bei den Kosten der Unterkunft nach dem SGB II stiegen die Nettoausgaben um 1,6 Millionen Euro.

Die Fallzahlen zeigen unterschiedliche Trends. Zwischen 2023 und 2026 stiegen sie bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung um 12,8 Prozent und bei der Hilfe zur Pflege um 12,2 Prozent. Bei der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche erhöhte sich die Zahl der Fälle um 32,4 Prozent. Die Zahl der Leistungsberechtigten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ging im gleichen Zeitraum um 19,8 Prozent zurück. Eine ausführliche Auswertung zeigt insbesondere bei der Eingliederungshilfe nach dem SGB IX eine deutliche Ausgabendynamik auf allen Ebenen.

Ursachen und Ausblick bis 2030

Ursache für die steigenden kommunalen Ausgaben sind steigende Fallzahlen in Verbindung mit unzureichenden Kostenerstattungen. Da es sich überwiegend um gesetzliche Pflichtaufgaben handelt, hat Potsdam, ebenso wie andere Kommunen, kaum Spielraum, diese Kosten selbstständig zu senken. Die Stadt muss die Leistungen erbringen – unabhängig davon, wie viel Geld vorhanden ist. Für die Jahre 2027 bis 2030 wird ein weiterer Kostenanstieg erwartet.

Brigitte Meier, Beigeordnete für Ordnung, Sicherheit, Soziales und Gesundheit, sagt: „Die Entwicklung der Sozialausgaben zeigt, dass die Landeshauptstadt vor wachsenden finanziellen Herausforderungen steht. Gleichzeitig geht es bei diesen Ausgaben um wichtige soziale Leistungen für Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Wir müssen deshalb genau hinschauen, wie sich die einzelnen Leistungsbereiche entwickeln und wie eine faire und nachhaltige Finanzverteilung zwischen den staatlichen Ebenen gemäß dem Konnexitäts-Prinzip erreicht werden kann.“

Die Kostenentwicklung sei zudem differenziert zu betrachten, so die Beigeordnete: „Nicht jede Steigerung hat dieselben Ursachen und nicht jede Leistung wird von der Landeshauptstadt in gleichem Umfang finanziert.“

Sollen die Städte und Gemeinden finanziell handlungsfähig bleiben, muss nach Darstellung der Stadt eine bedarfsdeckende Finanzausstattung der Kommunen für die Übernahme von Bundes- und Landesaufgaben hergestellt werden. Dieses Ziel dürfe nicht zulasten der Menschen gehen, für die diese Hilfen existenziell notwendig sind. Als Handlungsfelder nennt die Stadt die Prüfung möglicher Refinanzierungen, Kostenerstattungen und Fördermittel sowie den Schulterschluss mit den kommunalen Spitzenverbänden zum Austausch mit Land und Bund.

Quelle: Stadt Potsdam