Potsdam: Studie zeigt, wie Angst vor KI oder Zuwanderung politische Forderungen prägt

Schild „Universität Potsdam – Am Neuen Palais“ vor einem Backsteingebäude
Universität Potsdam, Campus Am Neuen Palais (Symbolbild) · Foto: geradepassiert-potsdam.de

Je nachdem, ob Menschen Zuwanderung, technologische Entwicklungen wie KI oder die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland (Offshoring) mit potenziellen Arbeitsplatzverlusten verbinden, unterscheiden sich ihre politischen Forderungen an den Staat. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie eines Forschungsteams um Dr. Licia Bobzien von der Universität Potsdam, Dr. Fabian Kalleitner von der LMU München und Dr. Lukas Schlögl von der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung in Wien.

Ergebnisse der Studie

Die Forschenden gingen der Frage nach, wie die Wahrnehmung unterschiedlicher Arbeitsmarktrisiken mit konkreten politischen Forderungen – etwa nach Bildungsmaßnahmen oder Subventionen – zusammenhängt. Wer technologischen Wandel als zentrales Risiko betrachtet, befürwortet demnach eher sozialpolitische statt regulativer Maßnahmen.

Personen, die Zuwanderung als größtes Arbeitsmarktrisiko wahrnehmen, unterstützen hingegen eher regulative Maßnahmen wie den Schutz des heimischen Arbeitsmarkts und innerstaatliche Deregulierung. Ihre Unterstützung für sozialpolitische Maßnahmen wie allgemeine Sozialleistungen und sozialpolitische Investitionen fällt geringer aus.

Wer die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland fürchtet, befürwortet weniger staatliche Intervention in die Wirtschaft, wenn er sich selbst als politisch rechts einordnet. Ordnet er sich als politisch links ein, befürwortet er mehr staatliche Interventionen.

Unterschiedliche Formen des Gruppendenkens

Das Forschungsteam führt diese Befunde auf unterschiedliche Formen des Gruppendenkens zurück, die durch die Wahrnehmung verschiedener wirtschaftlicher Risiken aktiviert werden. Wird Zuwanderung als größtes Risiko für den Arbeitsmarkt wahrgenommen, kann dies eine kulturell geprägte Denkweise fördern, die eine Grenze zwischen Einheimischen und Zugewanderten zieht. Politische Maßnahmen, die den nationalen Arbeitsmarkt schützen oder sozialstaatliche Leistungen einschränken, könnten dann als logische Reaktion erscheinen.

Steht der technologische Wandel als zentrales wirtschaftliches Risiko im Vordergrund, rückt ein klassenbezogenes Denken in den Vordergrund, das den Konflikt zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern betont. Universelle Sozialleistungen könnten hier dazu dienen, die Position der Arbeitnehmer zu stärken.

Die Wahrnehmung von Offshoring als Arbeitsmarktrisiko passt nicht eindeutig in eines dieser Denkmuster. Je nach politischer Einstellung kann sowohl die kulturelle als auch die klassenbezogene Sichtweise beeinflusst werden.

Die Forschenden schließen daraus, dass Arbeitsmarktpolitik nicht eindimensional als „mehr vs. weniger“ staatliche Eingriffe betrachtet werden kann, sondern mehrdimensional verstanden werden muss. Unterschiedliche soziale Denkmuster bringen verschiedene politische Forderungen hervor.

Datengrundlage und Veröffentlichung

Die Studie basiert auf zwei Wellen einer Panelbefragung aus den Jahren 2021 und 2022 mit insgesamt 1.112 Befragten (und 1.627 Beobachtungen) in Österreich.

Die Arbeit mit dem Titel „Technology, migrants or offshoring: How the perceived source of labour-market risks shapes policy demands“ erschien 2026 im Journal of European Social Policy: Studie online (DOI).