Potsdam: Friederike Charlotte Hechler erhält Better World Award UP 2026

Schild „Universität Potsdam – Am Neuen Palais“ vor einem Backsteingebäude
Universität Potsdam, Campus Am Neuen Palais (Symbolbild) · Foto: geradepassiert-potsdam.de

Der Better World Award UP 2026 geht an Friederike Charlotte Hechler. Der mit 3.333 Euro dotierte Preis wird alljährlich an junge Akademikerinnen und Akademiker vergeben, die mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten einen entscheidenden Beitrag zur Weiterentwicklung der Gemeinschaft leisten.

Hechler befasst sich mit Autismusforschung. „Defizitbasierte Modelle in der Autismusforschung können negative Auswirkungen auf Bildung, Gesundheitswesen und öffentliche Diskurse haben“, sagt sie. Sie ist überzeugt: „Die Einbeziehung autistischer Menschen als gleichberechtigte Forschungspartner*innen kann die Wissenschaft nicht nur gesellschaftlich relevanter machen, sondern auch wissenschaftlich bereichern.“

Ergebnisse zur Blickkommunikation

In Experimenten zur Blickkommunikation zeige sich beispielsweise, dass autistische und nicht-autistische Erwachsene sehr ähnliche Hinweise nutzen, um die Absichten anderer Menschen zu erkennen. Die Ergebnisse sprächen damit gegen die pauschale Annahme, dass autistische Menschen grundsätzlich Schwierigkeiten haben, solche kommunikativen Signale zu verstehen.

Anja Bohms, Geschäftsführerin der LAND BRANDENBURG LOTTO GmbH, die den Preis stiftet, ist erfreut, „dass in der Arbeit eine ganze Reihe von UN-Nachhaltigkeitszielen wie z.B. Gesundheit und Wohlergehen, weniger Ungleichheiten, hochwertige Bildung, Geschlechtergleichheit und internationale Zusammenarbeit berücksichtigt wurden“.

Transfer der Forschungsergebnisse

Prof. Dr. Dieter Wagner, stellvertretender Vorsitzender der Universitätsgesellschaft Potsdam e.V., hebt die vielfältigen Transfermöglichkeiten hervor. Die Forschungsergebnisse werden international durch Open Science und Zusammenarbeit zugänglich gemacht. Das gemeinsam mit autistischen Menschen überarbeitete Forschungsinstrument Comprehensive Autistic Trait Inventory – Revised (CATI-R) wurde zunächst auf Englisch und anschließend auch auf Deutsch validiert. Weitere Versionen auf Türkisch und Polnisch sind in Arbeit, um den Einsatz des Instruments in unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Kontexten zu ermöglichen.

Darüber hinaus fließen die Erkenntnisse in das internationale U21 Autism Research Network sowie in ein von Hechler entwickeltes Lehrmodul zu Neurodiversität und partizipativer Forschung an der Universität Potsdam ein.

Zur Person

Friederike Charlotte Hechler wurde 1990 in Olpe geboren. Sie absolvierte einen Zweifach-Bachelorstudiengang Linguistik und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und den Masterstudiengang Linguistics an der Universität Potsdam. Gefördert mit einem Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung promovierte sie 2025 zum Thema „Perceptual and Psychological Mechanisms of Gaze-Based Communication across Virtual, Artificial and Neurodiverse Social Interactions“ in Potsdam und Sydney. Die Promotion erfolgte im Rahmen des internationalen Promotionsprogamms IDEALAB (International Doctorate for Experimental Approaches to Language and Brain), einer Graduiertenschule der Universitäten Potsdam, Newcastle, Groningen und Macquarie.

Weitere Informationen gibt es auf der Seite zum Better World Award der Universität Potsdam.

Quelle: Uni Potsdam